HomeSchuleAktuelles Licht -...
Im Chorraum der Paulskirche Dinkelsbühl sieht man schemenhaft die jungen Ausführenden des Chorkonzertes. Der Raum leuchtet durch die bunten Laserstrahlen des Lichtkünstlers

Licht - Chorkonzert in der Paulskirche

Hier der Artikel von Martin Stumpf aus der FLZ vom 09. Februar 2026 zum Nachlesen:


Zusammenspiel von Licht und Klang

Zwischen milden Entwicklungen und Superkontrasten: Chorkonzert der Berufsfachschule für Musik in der St.-Pauls-Kirche in Dinkelsbühl

DINKELSBÜHL – „Licht“ war das Thema eines Chorkonzerts der Berufsfachschule für Musik in der St.- Pauls-Kirche in Dinkelsbühl. Zur Musik wurden Laserlichtbildnisse in den Kirchenraum projiziert. Ganz so einfach war es aber dann doch nicht.

Denn das Programm war eine ungewöhnlich gewobene Abfolge von geistlichen und weltlichen Stücken, und auf den ersten Blick ein recht eigenartiger Sampler, bei dem milde Entwicklungen, aber auch Superkontraste aufeinander folgen. Das eigentlich verbindende Element dieses ungewöhnlichen Konzertereignisses
war nicht Licht, sondern die Dunkelheit. 

Verschiedene Erlebniszustände

Mit dieser beginnt, vollzieht sich und endet alles. Und nur mit ihr ist Licht überhaupt erfahrbar – so wie es Stille braucht, um Musik wahrnehmen zu können. Zunächst fühlt es sich nach Kino mit einem mächtigen Soundtrack an. Die Lasershow zieht den Betrachter in seinen Bann und die Musik nimmt man als Zusatzeffekt mit, aber im Fortgang entwickelt sich eine Autonomie und der Zuschauer kann für sich zwischen verschiedenen Erlebniszuständen wählen: Licht mit Ton, Ton mit begleitendem Licht oder, die kühnste, nur Ton.
Die Kinoatmosphäre in der Kirche verleitet dazu, tatsächlich minutenlang die Augen geschlossen zu halten. Diese Freiheiten der Besuchenden sind ein eigenes Erlebnis, neben der Kunstfertigkeit der Darbietenden. 
Der Chor. Seine Qualitäten sind bekannt: dynamisch, jugendlich, begeisterungsfähig, leistungsstark und frauenstimmenlastig. 
Die Dirigenten. Uwe Münch und Katharina Kabatnik müssen nichts mehr wecken oder forcieren. Sie formen. Uwe Münch spannt gleich zu Beginn einen weiten Bogen mit Haydns „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ und John Rutters „Lux aeterna“, gleichsam den Scheitelpunkten zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen Beginn und Ewigkeit. Katharina Kabatnik gibt der konservativen Romantik der Chorsätze von Mendelssohn Bartholdy und Brahms eine fließend-dynamische Note, bei der der Chor engagiert mitzieht.
Die Superkontraste. Gar nicht schockierend, sondern erfrischend ist, wie das Postmoderne „Oog“ von Michael van der Aa auf Beethovens Maienlied trifft. Hier der dystopische Klang des Cellos von Verena Sennekamp zu einer Geräusch-Tonspur, dort die unbekümmerte Frühlingsstimmung, die Bariton Daniel Fiolka und Britta Köstner am Klavier nachzeichnen. 

Rheinbergers Abendlied als Zugabe

Der Lichtkünstler Andreas Juergens legt über das gesamte Konzert ein darauf abgestimmtes Laserlicht- Schauspiel, das den Raum von St. Paul von der Decke bis etwa dem Emporenboden füllt und fängt damit das Augentier Mensch sofort ein. Ein Sternenhimmel in Bewegung, kreisende bunte Netzwerke wie feuernde
Synapsen und im Raum stehende Dreiecke – es dauert etwas, bis man die Musik nicht mehr nur als Atmosphären- Verstärker wahrnimmt. 
Das ist berauschend und hat einen immensen technischen und kompositorischen Aufwand. Aber der Rausch von mehr als 16 Millionen Farben hat auch Grenzen. Es gibt eine Schaltschwelle, die das Licht nicht aus dem Nichts hervorbringt, sondern es an- und ausknipst, und die Effekte liegen zeitlich gesehen nur näherungsweise am Ton. 
Als Zugabe gab es Rheinbergers Abendlied, als Blick in die Nacht, die lichtlose Zeit. Am Ausgang der Kirche war ein letztes Mal Licht gefragt. Schulleiter Honorarprofessor Dr. Michael Spors hatte um menschliche „Scheinwerfer“ gebeten. Dem begeisterten Applaus zufolge müssen die Sammelkörbchen gestrahlt haben.

📸: Martin Stumpf