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Abschlusskonzert des Orchesterworkshops 2026 mit Dirigent Prof. Rüdiger Bohn und dem Sinfonieorchester der BFS Musik Dinkelsbühl

Begegnungen - Zwischen Seine und Moldau

Hier der Artikel von Marion Etienne aus der FLZ vom 17. März 2026 zum Nachlesen:

Wuchtiger Klang und große Musizierfreude

Konzert des Sinfonieorchesters der Berufsfachschule für Musik

DINKELSBÜHL – Ein Abend in Dinkelsbühl: Die Musikerinnen und Musiker des Sinfonieorchesters der Berufsfachschule für Musik haben einen fünftägigen intensiven Orchester- Workshop hinter sich und fiebern nun dem Abschlusskonzert entgegen. Die eng bestuhlte St.-Pauls-Kirche ist randvoll mit Zuhörenden – und freudige Erwartung liegt in der Luft.

Wie viel Arbeit, Betreuung und Organisation, aber auch Spaß und Gemeinschaftsgefühl in diesem Projekt stecken, erläuterte Dozentin Martina Ebert in ihrem einfühlsamen Grußwort. Für jede und jeden der jungen Musikerinnen und Musiker war es die erste Möglichkeit, Erfahrungen im Orchester-Gefüge zu sammeln. Tatkräftig unterstützt wurden sie von Alumni, also ehemaligen Auszubildenden, den Dozenten der Streicher- Abteilung und einigen Gästen. Die musikalische und künstlerische Leitung hatte Rüdiger Bohn.
Dass der Professor für Dirigieren an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf eine hervorragende Wahl war, zeigte sich schon bei der „Suite francais d’aprés Claude Gervaise“ für Blasinstrumente, Schlagzeug und Cembalo von Francis Poulenc. Dank Bohns Erfahrung gelang es, der Komposition den Anspruch einer unterhaltsamen Leichtigkeit zu geben, die sich bereits im ersten Satz „Bransle de Bourgogne“ einstellte und in den weiteren schön herausgespielt wurde. 
Auf seiner Suche nach Neuem in Form und Inhalt hat Poulenc mit der Musiksammlung des Claude Gervaise aus dem 16. Jahrhundert gespielt und ihr mit frischer Melodik und spritzigen Einfällen eine neoklassizistische Ausrichtung gegeben. Die jungen Musikerinnen und Musiker gingen in durchaus ungewöhnlicher Besetzung mit klassisch geschulter Kompetenz zu Werke und schafften es, das Publikum zu begeistern.
„Begegnungen zwischen Seine und Moldau“ war die Überschrift des Programms. Für den Antonín-Dvořák- Fan versprach der Wechsel zu den Ufern der Moldau einen besonderen Genuss, zumal seine Streicherserenade E-Dur op. 22 und die Sinfonie Nr. 8 G-Dur folgten.
Rüdiger Bohn animierte das Orchester zu edlem Schönklang und wuchtiger Klangfülle. Und die war im Kirchenraum bis in den letzten Winkel zu spüren. Die wunderbaren Melodien der E-Dur-Serenade, eines von Dvořáks meistgespielten Werken neben der 9. Sinfonie, gingen die Musikerinnen und Musiker mit Ruhe und Gelassenheit an. Über aller Konzentration lag eine spürbare Spielfreude, die die Musik frisch und lebendig wirken ließ, bar jeglichen Zuckergusses.
Die klangliche Geläufigkeit kam auch bei der Interpretation der 8. Sinfonie G-Dur nicht zu kurz. Hiersetzte Rüdiger Bohn auf ein zügiges Tempo und rhythmischen Drive. Und spätestens beim dritten Satz Allegretto grazioso, einem wehmütig-graziösen Walzer-Thema, war man von
der sonnigen Leuchtkraft der Streicher begeistert.
Es war, als ob sich das Orchester immer mehr freispielen konnte. So gelang der fulminante letzte Satz „Allegro ma non troppo“ elanvoll und beherzt. Wuchtige Bläser und farbintensiv leuchtende Streicher entdeckten hier den Dvořák nicht neu, aber es gelang ihnen eine solide, begeisternde Interpretation. Es war wunderbar, die Ernsthaftigkeit und die Musizierfreude der jungen Musikerinnen und Musiker zu erleben. Es kam so viel Energie und Kraft beim restlos begeisterten Publikum an. Und das Beste daran? Dass davon sowohl die Zuhörenden als auch die Musikerinnen und Musiker profitieren durften.

📸: Marion Etienne