Hier der Artikel von ROMAN KOCHOLL aus der FLZ vom 24.07.24 zum Nachlesen:
Vor allem die Posaunisten verblüfften
Preisträgerkonzert des 17. Andrea-Gebhard-Wettbewerbs im Konzertsaal der Berufsfachschule für Musik
DINKELSBÜHL – Der Saal war voll besetzt, die Stifterin war persönlich anwesend und die jungen Musiker und Musikerinnen präsentierten sich von ihrer besten Seite: Begeisterten Beifall gab es für das Preisträgerkonzert des 17. Andrea-Gebhard-
Wettbewerbs im Konzertsaal der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl.
Mit 17 Jahren sei der Wettbewerb so alt wie die jüngste Auszubildende an der Berufsfachschule, sagte Schulleiter Professor Michael Spor zur Begrüßung und bedankte sich ausdrücklich bei der Stifterin des Preises, Andrea Gebhard. Als Münchnerin, die in Dinkelsbühl geboren ist, zieht es die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer regelmäßig zurück in ihre Heimatstadt, wo sie gerne junge Musiker und Musikerinnen unterstützt.
Wie sehr sich das Engagement lohnt, zeigte sich beim Preisträgerkonzert in der Berufsfachschule, das sich auf einem hohen musikalischen Niveau abspielte und auch die eine oder andere Überraschung bereithielt.
Schnurren, Stampfen oder Schnarchen
Das gilt insbesondere für die vier Posaunisten Paul Husel, Johanna Martius, Pauline Karg und Elia Stefanini, die demonstrierten, wie ein Komponist Hörerwartungen fulminant ins Leere laufen lassen kann. „Ki Tov“ heißt das Stück von Alex Vaughn, das alles andere bot als einen wohligen, „goldenen“ Bläserklang. Eher das Gegenteil. Gleichwohl ist es dem Quartett gelungen, mit den in unterschiedlichen Techniken erzeugten Klängen und Geräuschen die Fantasie der Zuhörer zum blühen zu bringen.
Wer wollte, konnte schnurrende Motive, das Stampfen einer Dampflokomotive oder das Scharchen eines Drachens, der einen goldenen Schatz bewacht, hören. Oder auch etwas völlig anderes. Das experimentelle mit großem Ernst vorgetragene Stück brachte dem Posaunenquartett jedenfalls einen Sonderpreis ein.
Begonnen hatte das Preisträgerkonzert mit dem ersten Satz aus der Klaviersonate Nr. 7 von Ludwig van Beethoven. Olivia Bergmann hatte sich damit einen dritten Preis erspielt. Im Konzert überzeugte die Pianistin mit einem kraftvollen Zugriff und rhythmischer Prägnanz. Ein weiterer dritter Preis ging an Sebastian Reitberger, der mit dem Saxofon das Stück „Pequena Czarda“ von Pedro Iturralde darbot. Seine Interpretation zeichnete sich durch starke dynamische Kontraste aus und bot den Zuhörern sowohl expressive als auch weiche, ohrenschmeichelnde Klänge.
Der zweite Preis ging an Josephine Hoffmann, die mit ihren Flöten zwei sehr gegensätzliche Kompositionen spielte: ein gemäßigt modernes Stück von Lennox Berkeley aus dem 20. Jahrhundert und ganz traditionell einen Satz aus dem Concerto in C von Antonio Vivaldi.
Schließlich betrat die erste Preisträgerin die Bühne: die Geigerin Leonie Trostel. Mit dem „Lauer Lied“ von George Benjamin präsentierte auch sie ein Stück, das für das Instrument völlig neue Wege erschließen will. Die Gleichzeitigkeit von gestrichenen und gezupften Tönen sind für die Violine jedenfalls eine Seltenheit und somit eine weitere Entdeckung an diesem Abend.
In traditioneller Manier fand das Preisträgerkonzert mit der Sonate Nr. 2 Dorisch von Heinrich Ignaz von Biber, gespielt von Leoni Trostel, seinen würdigen Abschluss.
Foto: Roman Kocholl


