Auch Theorie ist Praxis (1)

Tonsatz

"Auch Theorie ist Praxis" — Dies ist eine Aussage, die wie ein in sich widersprüchliches Wortspiel aussieht, aber bei sorgfältiger Überlegung gewinnt sie durchaus realistische Konturen.

Vom griechischen 'theorein' kommend, heißt Theorie soviel wie "betrachten, anschauen" und weil man nur etwas bereits Existentes betrachten und anschauen kann, ist die Frage danach, was nun wohl zuerst da war, beantwortet.

Auf die Musik bezogen heißt das, dass Theoretiker die bereit komponiert vorliegende Musik unter verschiedenen Blickwinkeln betrachten und analysieren.

 Viele in musikalischer Ausbildung Befindliche stellen allerdings die so gewonnenen Erkenntnisse in Frage und meinen, man brauche ja nur die Noten mit ihren vorgeschriebenen Tonhöhen und Tonlängen zu spielen, und ob schnell oder langsam, laut oder leise stehe ja auch meistens da. Dass all diese Informationen nach einem Übeprozess exakt klanglich umgesetzt werden müssen, ist eine Selbstverständlichkeit, nur: das allein ergibt aber noch keine überzeugende Inetrpretation von Musik. Die Notenschrift ist eine Vereinbarung zwischen Musikern zum Informationsaustausch, die mehr Geheimnisse verbirgt als sie offenbart. Erst das Aufspüren dieser Geheimnisse, die Erkenntnis dessen, was die Musik "im Innersten zusammenhält" und der kreativ-schöpferische Umgang damit lässt Interpretation im eigentlichen Sinne zu.

Wie entstehen bestimmte Wirkungen der Musik?
Weshalb klingt z. B. Bach anders als Brahms?
Wovon lebt eine Melodie?
Warum regt ein Rhythmus auf, ein anderer nicht?
Wieso können wir körperlich die gesamte menschliche Gefühlsskala beim Anhören von Musik empfinden?
Welche Gedankenwelt verbirgt sich "hinter den Noten"? Das muss doch interessieren!

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